Über Leverkusens Trainer Gerardo Seoane: "Er ist ein guter Trainer" - Über Leverkusens Personalpolitik nach dem Mauerfall: "Kanzler Kohl hat uns gebremst"
Bayer Leverkusens früherer Manager Reiner Calmund hat dem aktuellen 04-Trainer Gerardo Seoane ein gutes Zeugnis ausgestellt, steht aber hinter dem Beschluss seines Ex-Vereins, dem Schweizer wegen anhaltender Erfolglosigkeit eine Zwei-Spiele-Frist aufzuerlegen. "Ich finde diese Entscheidung gut", sagte der 73-Jährige im exklusiven Interview mit Sportradio Deutschland. Calmund begründete dies so: "Er ist vom Grundsatz her ein guter Trainer. Das hat er bewiesen in Bern, wo er aus dem Nichts was gemacht hat. Das hat er im vergangenen Jahr bei Bayer Leverkusen bewiesen. Deshalb hat er auch eine längere Kreditlinie, wenn es einmal nicht läuft."
Falls Seoane aber das Ruder in den beiden kommenden Begegnungen in der Champions League beim FC Porto und in der Bundesliga gegen Schalke 04 nicht herumreißen sollte, drohe ihm das übliche Szenario. "Wenn sich die Erfolglosigkeit über einen längeren Zeitraum hinzieht, dann ist jeder dran, dann kriegt jeder die Briefmarke auf den Arsch geklebt", sagte Calmund, der sich anlässlich des gestrigen Feiertags auch über die Transferpolitik von Bayer nach dem Mauerfall und seinen Ex-Kollegen Uli Hoeneß äußerte.
Das Interview in voller Länge steht auf der Website unter www.sportradio-deutschland.de zur Verfügung.
...über Leverkusens Trainer Gerardo Seoane: "Er ist vom Grundsatz her ein guter Trainer. Das hat er bewiesen in Bern, wo er aus dem Nichts was gemacht hat. Das hat er im vergangenen Jahr bei Bayer Leverkusen bewiesen. Deshalb hat er auch eine längere Kreditlinie, wenn es mal nicht läuft. Ich finde diese Entscheidung vom Verein gut. Da wird länger gehofft, dass man die Kurve kriegt. Aber es gilt natürlich für jeden Trainer: Wenn sich die Erfolglosigkeit über einen längeren Zeitraum hinzieht, dann ist jeder dran, dann kriegt jeder die Briefmarke auf den Arsch geklebt. Ich persönlich hoffe, dass das bei Seoane nicht eintrifft. Das würde nämlich bedeuten, dass Leverkusen seine Talfahrt beendet. Aber wenn es so weitergeht, dann wird der Verein nicht umhin kommen. Das sind die Gesetze des Fußballs, die sind auch normal. Das ist kein Beamtenjob auf Lebenszeit."
... über Leverkusens Personalpolitik nach dem Mauerfall: "Kanzler Helmut Kohl war der Auffassung, dass ein Verein, der von Bayer gesponsert, nicht gleich die besten drei DDR-Spieler holen darf. Wir wurden daraufhin von der Bayer-AG zurückgepfiffen. Dann haben wir uns entschieden, Andreas Thom zu holen und bei Ulf Kirsten und Matthias Sammer zurückgezogen. Ich habe Sammer bei seinem Wechsel zu Stuttgart geholfen. Später hieß es dann: Wenn du den Kirsten holen kannst, darfst du es tun."
... über seinen Ex-Kollegen Uli Hoeneß: "Uli war der beste und erfolgreichste Manager in Deutschland, ohne Wenn und Aber. Schluss aus Nikolaus. Aber er war nicht der Schnellste nach der Wende. Es hieß zwar, Bayern München wolle sich nicht am Ausverkauf der DDR-Spieler beteiligen. Aber bei aller Humanität, die Uli damals angesprochen hat, den Sammer hätte der am Anfang nach dem Mauerfall auch gerne gehabt."
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