FußballPressemitteilung

Lothar Matthäus über Hansi Flick, Frank Schmidt, den Bundesliga-Abstiegskrimi und das Champions-League-Rennen

Lothar Matthäus
Lothar Matthäus · © Sky

Die Bundesliga biegt auf die Zielgerade ein. Lothar Matthäus schaut auf die letzten offenen Fragezeichen: Das Rennen um das internationale Geschäft und den Krimi im Abstiegskampf.

Der Sky Sport Experte äußert sich auch zu den emotionalen Ereignissen im Umfeld von Hansi Flick und würdigt den prägenden Einfluss von Frank Schmidt für den 1. FC Heidenheim.

Mein herzliches Beileid gilt Hansi Flick. Als ich gestern vom Tod seines Vaters hörte, war ich schockiert. Ich weiß, wie sehr Hansi Familienmensch ist. Ich glaube, dass er im Sinne seines Vaters und seiner Familie das Spiel durchgezogen hat. Seine Familie unterstützt ihn und wird ihn immer unterstützen. Das gibt ihm Kraft und Energie.

Dass er einen super Job als Trainer macht, braucht man nicht zu betonen, seine Titel sprechen eine klare Sprache. Durch den Sieg im Clasico gegen Real Madrid hat er mit dem FC Barcelona zum zweiten Mal in Folge die spanische Meisterschaft gewonnen. Der sportliche Erfolg freut mich, aber meine Gedanken sind bei ihm und seiner Familie.

Drei punktgleiche Mannschaften kämpfen um den Klassenerhalt in der Bundesliga, drei weitere kämpfen um die Champions Leagueund noch einmal drei um die Conference League.

Der letzte Spieltag bietet noch einmal echte Highlights, nachdem die Meisterschaft schon lange Wochen entschieden ist. Es wird spannend bis zur letzten Sekunde!

Zwei Klubs müssen direkt absteigen, einer hofft auf den Relegationsplatz. Ich glaube, dass viele Fans dem 1. FC Heidenheimdie Daumen drücken. Die Heidenheimer waren schon so gut wie abgestiegen, aber sie sind wieder zurückgekommen. Heidenheim hat einen Wunderheiler, und der heißt Frank Schmidt.

Er ist mit Heidenheim aufgestiegen, hat mit ihnen in der Conference League gespielt, im vergangenen Jahr die Relegation überstanden und jetzt diese Aufholjagd hingelegt.

Ohne die Erfolge anderer Klubs zu schmälern: Sollte Schmidt mit Heidenheim die Klasse halten, wäre das noch einmal ein Pfund mehr als das, was Vincent Kompany mit Bayern, Manuel Baum mit Augsburg, Ole Werner mit Leipzig und all die anderen Trainer geschafft haben.

Man kann den Heidenheimern nur größtes Lob zollen, sie lassen sich durch nichts erschüttern und sind stabil. Sie haben in München und in Köln stark gespielt und müssen am Samstag mit einem Sieg gegen Mainz die Voraussetzung dafür schaffen, das Unmögliche doch noch möglich machen.

St. Pauli hat beim 1:2 in Leipzig eine gute Leistung gezeigt, genau wie Wolfsburg beim 0:1 gegen Bayern. Alle sind voller Hoffnung, aber die Wolfsburger stehen am meisten unter Druck. Von den drei Abstiegskandidaten hat der VfL mit Abstand den stärksten Kader.

Vom Personal her müsste der VfL auf einem einstelligen Tabellenplatz stehen, vom Budget her müsste man international spielen. In Wolfsburg hatte man vor der Saison andere Ziele, bei Heidenheim und St. Pauli wusste man, dass es gegen den Abstieg geht.

Es ist sehr wichtig, wie du diese Situation psychologisch angehst. Vielleicht haben die Heidenheimer in den vergangenen Wochen gar nicht auf die anderen Ergebnisse geschaut, sondern es einfach nur genossen, in der Bundesliga zu spielen. Aber jetzt haben sie auf einmal die Möglichkeit, die Klasse zu halten.

Wolfsburg hat durch die bessere Tordifferenz den Vorteil, es in der eigenen Hand zu haben. St. Pauli muss gewinnen und darauf hoffen, dass Heidenheim nicht gewinnt. Am Ende muss jeder auf Sieg spielen, das ist das Entscheidende.

Im Kampf um die Champions League ist Stuttgart der Favorit. Der VfB spielt bei kriselnden Frankfurtern und kann mit einem Sieg den vierten Platz behaupten. Die Eintracht hat zwar beim 2:3 in Dortmund ein ordentliches Spiel gemacht, aber es ist kein Zusammenhalt zwischen Trainer und Mannschaft erkennbar. Ich glaube aber, dass sie sich am Samstag noch einmal zusammenreißen werden.

Die Spieler müssen es sich selbst, dem Verein und ihren Anhängern zeigen. Die Fans lieben Europa und werden die Mannschaft pushen. Die Frankfurter brauchen die internationalen Spiele und sie werden sich wehren. Das kann für den VfB gefährlich sein.

Auf der anderen Seite haben die Stuttgarter gegen Leverkusen wieder ihre Qualität gezeigt und zuletzt auch auswärts tolle Spiele gemacht. Ich gehe ich davon aus, dass Stuttgart die Ziellinie vor Hoffenheim überquert und Leverkusen auf Platz sechs landen wird.

Im Kampf um Platz sieben steht Freiburg auf der Pole Position. Julian Schuster und seine Mannschaft haben mit dem Erreichen des Europa-League-Finales etwas Herausragendes geschafft. Sollten sie das Endspiel gegen Aston Villa gewinnen, würden sie sogar in der Champions League spielen.

Ich wünsche es Freiburg, aber ich glaube, dass mir keiner böse ist, wenn ich sage, dass sie im Finale Außenseiter sind. Freiburg will diese lange Reise durch Europa krönen und ich bin froh, dass ich sie dabei begleiten durfte.

In der Bundesliga hat der Sport-Club zuletzt in Dortmund und in Hamburg verloren und gegen Wolfsburg nicht gewonnen. Aber die Mannschaft hat Charakter und die Fans im eigenen Stadion im Rücken. Das Spiel gegen Leipzig ist ein Finale, man will mit einem Sieg sichergehen, in der nächsten Saison wieder international zu spielen. Doch mit RB kommt eine der formstärksten Mannschaften der Rückrunde ins Breisgau.

Auch der FC Augsburg hat in Berlin keine leichte Aufgabe gegen Union, das in Mainz den ersten Sieg unter Marie-Louise Eta gefeierthat. Augsburg ist - ähnlich wie Heidenheim - in einer Situation, an die vor einigen Wochen wohl niemand gedacht hat. Jeder muss auf sich schauen, seine Aufgaben erledigen und dann hoffen, dass die anderen Punkte liegenlassen.

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Quelle: Sky Sport-PR · SPPOriginalmeldung ↗
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