Ex-Bundesliga-Spieler und -Trainer Ewald Lienen in "Rudi Brückner - Der Talk am Montag" auf SPORT1 über die Probleme bei S04: „Würde über den Kader und nicht einen Trainer reden“ - Lienen über die WM-Vergabe an Katar: "Keine Rechtfertigung dafür, eine WM dort abzuhalten"
Im SPORT1 Format "Rudi Brückner - Der Talk am Montag" hat sich Ewald Lienen kritisch über die Bundesliga-Tauglichkeit des Kaders von Schalke 04 geäußert: „Wenn ich keinen Kader habe, mit dem ich wettbewerbsfähig bin, kann ich mich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln.“ Dazu hat der ehemalige Bundesliga-Spieler und -Trainer eine Doppelmoral in der Berichterstattung über die WM in Katar offengelegt.
… über die inneren Mechanismen auf Schalke: „Ich kann nicht beurteilen, ob sie hausintern ihre Drähte haben. Eine Sache ist klar: Es ist ein Unding und ein No-Go, dass ich den Trainer verpflichte und nicht die Möglichkeit gebe, jemanden mitzubringen. Es gibt Trainer, die bringen ein ganzes Team mit, was ich zu viel finde. Das führt zu keiner Kontinuität. Ein Trainer braucht mindestens eine Vertrauensperson an seiner Seite, die er in- und auswendig kennt.“
… über die sportliche Lage von S04: „Jeder, der aus dem Fußball kommt, sagt, dass man die Mannschaft dafür haben muss. Ich kann der beste Trainer der Welt sein. Wenn ich keinen Kader habe, mit dem ich wettbewerbsfähig bin, kann ich mich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln. Derzeit würde ich über den Kader von Schalke 04 und nicht über einen Trainer reden.“
… über die Ursachen der Schalker Krise: „Man muss wissen, warum Schalke abgestiegen ist: Sie haben über Jahre hinweg über ihre Verhältnisse gelebt, haben hohe Gehälter gezahlt. Auf Dauer kannst du nicht überleben, wenn du immer von den Geldern der Champions League abhängig bist. Wenn du dann noch finanziell von jemanden unterstützt wirst, dessen Unternehmen auf industrialisierte Landwirtschaft und Massentierhaltung setzt, dann steigt man berechtigter Weise ab.“
… über die Chancen von Schalke, die Klasse zu halten: „Alles ist möglich im Fußball. Wenn es innerhalb der Mannschaft und im Trainerteam stimmt und ich an gewissen Dingen arbeite - ich sehe bei ihnen überall Abwehrfehler. Schalke braucht im Winter ein paar Spieler. Das müssen keine Superteuren sein, es muss passen. Dann kann man es durchaus schaffen. Ich würde es ihnen wünschen. Sie haben letzte Saison so toll gespielt. Jetzt bezahlen sie dafür, dass sie zu früh aufgestiegen sind.“
… über die WM-Vergabe an Katar: „Wir tun so, als wäre die ganze Welt so, wie unsere westlichen Demokratien. Das ist nicht der Fall. Eine überwiegende Anzahl der Länder wird diktatorisch regiert. Dort gibt es Regime, die Menschen unterdrücken. Uns ist das allerdings egal, da unsere Wirtschaft brummt. Wir haben verhindert, dass diese Länder sich entwickeln, aber sehr gut dabei gelebt. Jetzt haben wir einen Moment erreicht, wo die ganze Welt weiß, wenn etwas passiert. So, wie wir gelebt und gewirtschaftet haben, sind wir von einer Klimakatastrophe bedroht, die alles kaputt machen wird, was wir uns aufgebaut haben.“
… über die Argumente für eine WM in Katar: „Dieses Argument habe ich schon oft gehört: Würde dort keine WM stattfinden, hätten wir keinen Fokus auf die Menschenrechte dort gelegt. Das stimmt zum Teil, ist aber keine Rechtfertigung dafür, dort eine WM abzuhalten.“
… über alternative Ideen: „Die Milliarden, die da investiert wurden – warum die nicht in die Aufforstung stecken? Wenn ich ein Geschäftsmodell wie in Saudi-Arabien oder Katar habe, wo das Reichtum auf der Herstellung von fossiler Energie aufgebaut wird. Warum nicht in die Aufforstung investieren?“
… über das anstehende Champions-League-Spiel zwischen dem BVB und ManCity: „Ich habe das Spiel in Manchester gesehen, das haben sie gut gemacht. Ich habe nicht verstanden, warum Edin – ein Toptrainer - plötzlich einen Mittelstürmer rausnimmt und einen Innenverteidiger bringt. Das geht meistens in die Hose. So gerat der BVB in einem Spiel, wo man super verteidigt hat, zehn Minuten komplett unter Druck. Wenn dann so eine Flanke kommt, hast du gegen Haaland keine Chance. Es ist möglich, wenn du sie richtig verteidigst und mutig bist.“
… zur Spielweise vom BVB: „Mit einer guten Offensive kannst du Spiele gewinnen, langfristig ist allerdings immer die Defensive das Entscheidende. Es gibt einen Grund dafür, warum diejenigen, die oben stehen, die wenigsten Gegentore haben und diejenigen, die unten stehen, die meisten Gegentore haben. Wenn Dortmund ein Problem hat, haben sie es in der Defensive. Wenn ich dort top stehe, muss ein 1:0 mal reichen – reicht es bei ihnen allerdings nie.“




