FußballPressemitteilung

Boykott, Sicherheit, Sorgen: WM-Debatte nimmt Fahrt auf

Die Diskussion um einen WM-Boykott und die Sicherheit der Fans hält die Beteiligten in Atem. Oke Göttlich wehrt sich gegen die Kritik an seinem Vorstoß.

Die Debatte über einen Boykott der Fußball-WM und die Sicherheit der deutschen Fans nimmt immer mehr Fahrt auf, doch der drohenden "Inquisition" sieht Mitinitiator Oke Göttlich gelassen entgegen. "Mir rinnt der Angstschweiß die Wirbelsäule runter", sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) dem SID mit Blick auf die DFB-Präsidiumssitzung voller Ironie: "Wir werden am Freitag diskutieren. Man muss sich nicht hinter Formalien verstecken."

Mit dieser Ansage wehrte sich Göttlich, der bereits bei der DFL-Präsidiumssitzung am Dienstag Rede und Antwort stehen musste, vehement gegen die harsche Kritik der Verbandsbosse Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke an seinem Vorstoß viereinhalb Monate vor der Endrunde (11. Juni bis 19. Juli). "Ich habe keinen Boykott gefordert, nur eine Diskussion anstoßen wollen", sagte der Präsident des Bundesligisten FC St. Pauli: "Der Fußball muss aushalten können, dass das Thema diskutiert wird."

Zuvor hatten DFB-Boss Neuendorf und Ligapräsident Watzke ihren Unmut darüber geäußert, dass Göttlich die Debatte angesichts der großen Fragezeichen hinter Co-Gastgeber USA forciert hat. Ähnlich äußerte sich DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig am Dienstag bei ran. Demnach hätte Göttlich das Thema erst innerhalb des Verbands ansprechen sollen. Vor allem war aber Neuendorf ungehalten.

"Das ist gar keine große Debatte. Wir sind sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten", sagte der Präsident - und stellte seinen seit November im Amt befindlichen Vize in den Senkel: "Es ist eine Stellungnahme gewesen eines einzelnen Vertreters aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei. In der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen in den Gremien besprechen und uns eine Meinung bilden. Er ist leider vorgeprescht. Die Debatte kommt zur Unzeit und ist für uns kein Thema."

Gleichzeitig kündigte Neuendorf allerdings an, dass das Präsidium am Freitag doch über die Thematik beraten wolle. Dabei dürfte es auch um die Sicherheit deutscher Anhänger gehen - auch wenn der DFB diese Problematik gerne an die Politik weiterreichen würde. "Das muss jeder Fan zunächst einmal für sich selbst entscheiden - mit der Unterstützung der Bundesregierung", äußerte Neuendorf: "Das muss die Politik bewerten und Empfehlungen abgeben."

Tatsächlich hat dies die Bundesregierung in einem ersten Schritt getan. Angesichts des gewaltsamen Vorgehens von US-Bundesbeamten in Minneapolis mit Todesschüssen auf zwei Zivilisten rät die Regierung seit Montag offiziell Reisenden zu erhöhter Vorsicht.

Die Grünen fordern mittlerweile sogar konkrete Maßnahmen - für Anhänger und DFB-Tross. "Die Bundesregierung muss dringend eine belastbare Strategie zum Schutz deutscher Fans und Funktionäre während Einreise und Aufenthalt bei der WM vorlegen", sagte der Außenpolitiker Boris Mijatovic dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es müssten klare Reise- und Sicherheitshinweise, erreichbare konsularische Anlaufstellen, transparente Informationen und belastbare Absprachen mit den zuständigen Behörden vorgelegt werden.

Auch Linken-Fraktionschef Sören Pellmann zeigte sich alarmiert. Die Entwicklung in den USA habe "einen Punkt erreicht, wo ich nicht ruhigen Gewissens sagen würde, dass eine Reise sicher ist", sagte Pellmann dem RND: "Es besteht Grund zur Sorge um alle, die hinfahren."

Quelle: SID Sport-Informations-Dienst GmbH · SPPOriginalmeldung ↗
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